BartolomeyBittmann, Progressive Strings

 

Dass das Instrumentarium der Klassik nicht notwendigerweise immer nur in der Klassik zur Verwendung kommen muss, sondern sehr wohl auch in anderen musikalischen Stilen und Spielformen vortrefflich funktionieren kann, genau das haben Matthias Bartolomey und Klemens Bittmann – die beiden experimentierfreudigen Namensgeber des Duos BartolomeyBittmann – schon auf ihrem Debütalbum „Meridian“ auf eine eindrucksvolle und hoch innovative Weise unter Beweis gestellt.

„Neubau“ lautet der Titel des nun erscheinenden zweiten Albums des eigenwillig agierenden Zweiergespanns. Und ja, in gewisser Weise kann man durchaus von einer Art musikalischem Neubau sprechen. Nicht in dem Sinne, dass Matthias Bartolomey (Cello) und Klemens Bittmann (Violine & Mandola) in ihren neuen Stücken einen kompletten Bruch oder Wandel vollzogen hätten, das nicht, aber dennoch erkennt – oder besser gesagt, hört – man eine doch deutliche Entwicklung und Hinwendung der beiden zu einem noch mehr in die Tiefe gehenden Klangentwurf, der noch detailreicher ausgearbeitet und noch weiter gefasst ist. Weiterhin von der Idee geleitet, für ihr in der klassischen Musiktradition verankertes Instrumentarium ein zeitgenössisches Repertoire zu entwickeln, haben der Wiener Cellist und der Grazer Geiger und Mandolaspieler abermals in schönster innovativer Crossover-­‐Manier die Brücke vom Klang der Klassik hin zu diversen anderen Musikformen geschlagen. „Neubau“ offenbart sich – wie auch schon das von allen Seiten hochgelobte Erstlingswerk „Meridian“ – als ein sehr vielschichtiger und ungemein spannungsgeladener Stilmix, der sich jedem Versuch einer exakten musikalischen Zuschreibung oder Kategorisierung erfolgreich widersetzt.

Das Duo zeigt erneut keinerlei Berührungsängste. Es greift auch in seinen neuen Kompositionen genauso auf Elemente des Rock der 1960er-­‐, 1970er-­‐ und 1980er-­‐ Jahre, wie auch auf solche des modernen Jazz, Folk, Pop und der Kammermusik zurück. Was Matthias Bartolomey und Klemens Bittmann auf exzellente Art beherrschen, ist, aus diesem Viel etwas Einheitliches und unverkennbar Eigenständiges zu formen.

Die musikalische Sprache der beiden ist eine, die sich auf unterschiedlichste Weise über stete Wechsel und variantenreiche und sehr feingliedrige Aufbauten ausdrückt. Mal lassen die beiden mächtige und rasant gespielte Stakkato-­‐Riffgewitter aufziehen („Ki“), dann wieder umschmeicheln sie die HörerInnen mit wunderschön lyrischen und unter die Haut gehenden Melodien („Lucca Est“, „Harnoncourt“, „Wo der Hund“). An anderer Stelle wiederum wird progressiv oder einfach nur grooveorientiert nach vorne gerockt („Parovskapproved“, „Neubau“, „Les Pauli“). Die musikalischen Geschichten, die die beiden erzählen, sind von einer ungemein ereignisreichen und stimmungsvollen Qualität, die vom ersten Moment an zu fesseln vermag.

BartolomeyBittmann setzen auf „Neubau“ ihren eingeschlagenen Weg hin zum unkonventionellen eigenen Sound konsequent fort. Die Musik des Duos ist eine, die eine magisch anziehende Wirkung ausübt, weil sie eben auch etwas anderes bietet und auf vielfältigste Weise einen anderen Ton trifft. Die Kompositionen von Matthias Bartolomey und Klemens Bittmann wissen zu unterhalten, wie auch gleichermaßen zu fordern. Sie pflanzen Bilder in Köpfe und erwecken Emotionen und Gefühle, und das in einem wirklich außergewöhnlich hohem Maße.

 

 
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